Bottendorf – Unter dem Dach der Bottendorfer Grundschule leben im Sommer etwa so viele Schwälbchen wie Kinder. Dort kleben unter den Dachvorsprüngen des Schulhauses 40 kunstvolle Nester für Mehlschwalben, die derzeit schon ihre zweite Brut in dieser Saison großziehen. „Dies ist vermutlich das erste Gebäude in Waldeck-Frankenberg, das heute als schwalbenfreundliche Schule ausgezeichnet wird“, meinte Klaus Klimaschka, als er zusammen mit Matthias Hupfeld von der Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine Plakette mit Urkunde an Schulleiter Kieran Schmidt und seine Schüler überreichte.

Vorgeschlagen worden war die Auszeichnung der Bottendorfer Schule für die NABU-Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ durch Schulsekretärin Yvonne Engel (Ernsthausen), der die seit Jahren dort bestehende, außerordentlich große Schwalbenpopulation aufgefallen war. „Dass Schwalben an einem öffentlichen Gebäude geduldet werden und in solch großer Zahl auftreten, ist schon sehr ungewöhnlich und muss besonders gewürdigt werden“, erklärte Klimaschka. An modernen, glatten Hausfassaden hafteten die Nester oft nicht gut, außerdem fehle der feuchte Lehmboden für den Bau.

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„Schwalben waren schon früher Glücksbringer“ meinte Klaus Klimaschka (2. von rechts), als er zusammen mit Matthias Hupfeld (2. von links) den Kindern, Schulleiter Kieran Schmidt (rechts) und Hausmeister Kristof Klinge die Plakette „Schwalben willkommen“ für die Grundschule Bottendorf überreichte.

All das ist in Bottendorf vorhanden. „Wir haben schon seit Längerem für unsere Mehlschwalben eine Lehmpfütze hinter dem Schulgarten angelegt, außerdem einen Blühstreifen im Projekt ‚Waldeck-Frankenberg blüht auf‘, um auf diese Weise Insekten und damit auch Nahrung für unsere Vögel anzulocken“, berichtete Rektor Schmidt. „Schwalben sind bei uns in einer ganzen Kolonie präsent, lassen sich wunderbar beobachten und sind deshalb auch Thema im Unterricht.“

Der anschließende Besuch der beiden NABU-Vertreter galt zwei Familien in der Schulstraße Ernsthausen. Dort sind die liebenswerten Dauer-Zwitscherer seit Jahren in jeweils acht Nestern willkommen. Klaus Klimaschka und Matthias Hupfeld überreichten Maria Moog und Karl-Heinz Sommer die Plaketten „Schwalbenfreundliches Haus“. Bei Elke und Karl-Heinz Sommer kleben die Vögel ihre geschlossenen Nester mit den kleinen Öffnungen bevorzugt an die ruhigen Zonen des Hauses, „nie über dem Balkon“, so der Hauseigentümer.
Mit einem Kotbrettchen an der Vorderseite des Hauses Moog wird die Fassade vor Verschmutzung geschützt. Das kann anderswo für Hausbesitzer ein Grund zur Ablehnung der Schwalbennester sein. Der NABU rät deshalb zu diesen Brettchen, die 60 Zentimeter unter den Nestern angebracht werden sollten. „Während der Brut wollen meine Schwalben nicht gestört werden. Beim Fensterputzen darf ich dem Nest nicht zu nah kommen – dann schießen sie schon mal dicht vor mir vorbei“, lacht Maria Moog. „Aber sonst vertragen wir uns immer gut.“

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Schwalben als Baumeister: Aus feuchten Lehm- und Erdkügelchen kleben Mehlschwalben ihre Nester. Wenn dies nicht möglich ist, hilft der NABU mit Kunstnestern wie diesem, die Matthias Hupfeld (links) und Klaus Klimaschka (rechts) in Ernsthausen zeigten. Sie ehrten mit Urkunden und Plaketten Maria Moog und Karl-Heinz Sommer für ihre „schwalbenfreundlichen Häuser“.

Hintergrund: Sind Schwalben nützlich?

Ja, sagen die Fachleute vom NABU. Schwalben verzehren pro Tag mehr als die Hälfte ihres Eigengewichtes. Das entspricht pro Vogel in der Zeit von April bis September einer Menge von etwa 2500 Mücken und Fliegen – täglich! Für eine Brut wird etwa 1 kg an Insekten an die Jungen verfüttert. Das Futter der Altvögel ist nicht einbezogen. „Wer also weniger Mücken oder Fliegen haben möchte, der sollte Schwalben unterstützen“, empfehlen die Naturschützer.

Manchmal muss man lange warten, bis die Schwalben kommen. Das im Jahr 2003 errichtete Schwalbenhaus in Ernsthausen wurde erst vor Kurzem von Mehlschwalben bezogen.

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Im Gegensatz zu Rauchschwalben, die ihre Nester in der Regel in Gebäuden errichten, befestigen Mehlschwalben sie an der Außenseite, meistens hoch oben unter dem Dachüberstand.

Text und Fotos

© Karl-Hermann Völker