Der „Seitenbruch“ bei Ernsthausen wurde zum Naturdenkmal erklärt

Seit Jahren schon pflegt die Umweltgruppe Burgwald den „Seitenbruch“ bei Ernsthausen gemeinsam mit anderen Feuchtwiesen im Bereich der Wetschaft durch eine jährliche Mahd. Ab 2002 wurde die Fläche in enger Koordination mit der Unteren Naturschutzbehörde planvoll entbuscht und renaturiert, verdrängte Pflanzen kehrten zurück. Und allmählich entstand wieder eine Feuchtbrache mit ganz ausgeprägtem, reizvollem Moorcharakter. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat das Biotop „Bruchwiesen“ nun in die Liste seiner Naturdenkmale aufgenommen.

Klaus Klimaschka und Willy Becker im Seitenbruch, sie halten einen Plan in Händen, betrachten die Feuchtwiese, im Hintergrund Wald.

Zwischen Tümpeln und Rohrkolben: Der Seitenbruch bei Ernsthausen hat sich in den letzten Jahren wieder in eine einzigartige Moorfläche zurückverwandelt, die nun als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Klaus Klimaschka und Willy Becker beobachten regelmäßig das Biotop.

Willy Becker und Klaus Klimaschka, die Vorsitzenden der NABU-Umweltgruppe Burgwald, freuen sich über den damit verbundenen Schutz für einen vom Aussterben bedrohten Biotoptypus. Sie sehen darin auch einen Erfolg ihrer langjährigen Renaturierungsarbeit. „Wir haben anfangs erst mal Kiefern Birken, Ohr- und Grauweiden entnommen, damit die gewünschte Vernässung wieder eintreten konnte“, berichtet der pensionierte Forstbeamte Becker.

Beim Herausdrehen der Wurzelstöcke mit Seilwinden wurden Rohbodenflächen abgeschürft, in denen offenbar noch Samen früherer Moor-Vegetation schlummerten. „Schon ein Jahr später war beispielsweise das Sumpfblutauge wieder vorhanden“, freut sich Klaus Klimaschka.

Wespenspinne: Sie webt in der Herbstsonne ihre charakteristische Zickzack-Naht.

Wespenspinne: Sie webt in der Herbstsonne ihre charakteristische Zickzack-Naht.

Seit 2007 begleitet das Planungsbüro Neckermann & Achterholt (Cölbe) das Seitenbruch-Moor mit wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine Samenbank- und Vegetationsuntersuchung  fand statt, ausgewählte Teilflächen stehen unter botanischer Dauerbeobachtung. Erstes Ergebnis: „Die Bestände sind artenvielfältiger geworden und weisen höhere Anteile von Niedermoorarten wie Torfmoose und Seggen auf.“ Karpaten- und Moorbirke haben im Seitenbruch bei Ernsthausen einen ihrer westlichsten Standorte in Europa.

Heidschnucken mit weißem und braunem Fell, alle tragen nach hinten gebogene Hörner

Vierbeinige Landschaftspfleger: Die Heidschnucken von Jürgen Krebs sorgen dafür, dass der Seitenbruch seinen Moorcharakter behält.

Eine wichtige Rolle bei der Pflege des Moorkomplexes spielen die Heidschnucken von Jürgen Krebs. Sie beweiden nach genau festgelegtem Plan (im Gutachten steht „Beweidungsmanagement“) zweimal im Jahr die Flächen zwischen den Tümpeln und wassergefüllten Schlenken, sorgen für eine kurzrasige Niedermoosvegetation und verhindern, dass erneut Gehölze aufkommen. Die Mitglieder der Umweltgruppe hoffen, dass stattdessen weitere Pflanzenarten aus der „Diasporenbank“ wieder hier und dort auftauchen.

Fotos

© Karl-Hermann Völker