Die große Zeit der Streuobstwiesen war im 19. und 20. Jahrhundert: Zu einer Zeit, als man sein Essen noch nicht im Supermarkt kaufte, spielten sie eine wichtige Rolle für die Ernährung der Bevölkerung. Heute sind sie ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Aktive aus dem NABU Burgwald trafen sich zum Pflegeschnitt der Bäume im Moorsgrund.

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Auf der vom NABU bewirtschafteten Fläche hatte ein Sturm einigen Bäumen stark zugesetzt, Äste waren abgebrochen, die Bäume mussten wieder in Form gebracht werden. Mit gutem Werkzeug und mit der über viele Jahre und Einsätze gewachsenen Erfahrung war die Aufgabe innerhalb von gut drei Stunden erledigt.

Mit ihrem Einsatz tragen sie zum Erhalt eines der am stärksten gefährdeten Biotope Mitteleuropas bei. 2000 bis 5000 Tierarten können hier zuhause sein. Neben einer Vielzahl von Insekten wie dem Schwalbenschwanz und der Ackerhummel finden sich verschiedene Kurzfühlerschrecken und Spinnen ein. Auch Amphibien wie Kröten und die Blindschleiche fühlen sich hier wohl. Die am Rande des Geländes stehenden Hecken sind das Revier des Neuntöters. Spechte kommen zu Besuch, wie der Vogel des Jahres 2015, der Grünspecht, der hier gerne auf Ameisenjagd geht. Auch der seit ein paar Jahren wieder heimische Steinkauz findet für ihn optimale Lebensbedingungen vor.

Die Ernte im vergangenen Jahr war so gut, dass etliche Kartons Apfelsaft aus eigenem Anbau gepresst wurden. Ein weiteres Indiz für die erfolgreiche Arbeit der Umweltgruppe und der heimischen Obstbauern ist die Wiederansiedlung des Steinkauzes, einer Charakterart der Streuobstwiesen. Seit einigen Jahren brütet er wieder erfolgreich in der Region.

Stichwort Streuobstwiesen

Waren die Streuobstwiesen, regional auch Obstgärten, Obstwiesen oder Bungert genannt, im Mittelalter vorwiegend in der Nähe von Klöstern zu finden, verbreiteten sie sich vor allem ab dem 18. Jahrhundert vor den Toren der Städte und rund um die Dörfer. Wurden sie anfangs noch auf Druck der Obrigkeit angelegt, lernte die  Bevölkerung bald die süßen Früchte zu schätzen und die Obstwiesen übernahmen bald eine wichtige Funktion in der Ernährung der Bevölkerung: Das Obst wurde frisch gegessen, eingelagert oder in privaten und gewerblichen Keltereien zu Saft gepresst. Getrocknet wurde es zu Dörrobst verarbeitet, ab Ende des 19. Jahrhunderts auch steril eingekocht oder zu haltbaren Fruchtaufstrichen verarbeitet.

Auf Streuobstwiesen stehen vorrangig hochwüchsige Obstbäume in größeren Abständen. Dazwischen kann Gras wachsen, das als Viehfutter verwendet werden kann. So wird die Fläche doppelt genutzt. Auch im Moorsgrund wird regelmäßig Heu gemacht und unter anderem an die Schafe von Wilfried Tripp verfüttert.

Der Aufbau lässt zwei Lebensräume entstehen: Die Kronenschicht der Bäume und die Krautschicht auf den Grasflächen, die beide sehr artenreich an Pflanzen und Tieren sind. Die extensive Nutzung und der Verzicht auf synthetischen Dünger und Spritzmittel macht die Biotope noch wertvoller.

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