Seltene Schafrasse weidet für Naturschutz

Seit drei Jahren versorgen Wilfried und Marika Tripp die kleine Schafherde der Burgwalder NABU-Umweltgruppe. Sie betreiben mit den Tieren lebendige Landschaftspflege. Im Januar diesen Jahres überraschte Bürgermeister Adam Daume die Hobby-Schafhalter mit der Verleihung der Ehrenamts-Card Hessen.

Marika Tripp, Kimberly Tripp, Willy Becker, Adam Daume und Wilfried Tripp

Familie Tripp bei der Verleihung der Ehrenamts-Card|Das Ernsthäuser Ehepaar Wilfried und Marika Tripp betreut die Coburger Fuchsschafe der NABU-Umweltgruppe Burgwald, die in der Landschaftspflege zum Einsatz kommen. Bürgermeister Adam Daume überreichte am Samstag die Ehrenamts-Card, von links Marika Tripp, Kimberly Tripp, Willy Becker, Adam Daume und Wilfried Tripp.

Die Pflege von Streuobstwiesen und Feuchtgebieten ist in vielen Gemeinden zum Problem geworden. Ohne Beweidung oder Mahd drohen die wertvollen Naturschutzflächen zu verbuschen und ihren Artenreichtum zu verlieren. Die Umweltgruppe setzt seit acht Jahren neben dem Hand-Balkenmäher auch auf lebendige Landschaftspflege. Früher stand die kleine Herde mit Coburger Fuchsschafen, eine bedrohte Haustierrasse, in Wiesenfeld. Seit drei Jahren kümmern sich Wilfried und Marika Tripp um die fünf Mutterschafe mit Nachwuchs. Der zweite Vorsitzende der Umweltgruppe Klaus Klimaschka stellte den Kontakt her.

Coburger Fuchsschafe mit der typischen rotbraunen Färbung am Kopf und an den Beinen

Tiere mit Stallgeruch: Wie die meisten Schafe hierzulande verbringen auch die Coburger Fuchsschafe den Winter im schützenden Stall, im Sommer weiden sie auf naturnahen Weiden im Gebiet der Gemeinde Burgwald.

Gemeinsam mit den Kindern Kevin, Marcel und Kimberly trat die Familie in den größten deutschen Naturschutzverband ein und übernahm die Pflege der Schafe. Sie beweiden über 3 Hektar wertvolle Naturschutzflächen in den Gemarkungen Ernsthausen und Wiesenfeld. Von März bis November befinden sich die Vierbeiner auf den Weiden. Den Winter verbringen sie im Stall im ehemaligen Maschinenschuppen, der Hilfe der Umweltgruppe ausgebaut wurde. Dort werden auch die Lämmer geboren. Jüngstes Herdenmitglied ist ein Neujahrslamm, das zusätzliche Milch aus der Flasche bekommt. Wilfried und Marika erinnern sich gern auch eine Drillingsgeburt im vergangenen Sommer. Ein Lamm wurde von der Mutter nicht angenommen. Die Kinder der Familie sowie viele Freunde aus dem Dorf waren „Feuer und Flamme“ und zogen das Tier mit der Flasche auf. Die Schafe werden nur mit kräuterreichem Gras und Heu von den NABU- und Gemeindeflächen versorgt. Der gelernte Metzger Wilfried Tripp sorgt auch für die Verwertung der Lämmer. Besonders schmackhaft ist die Schafwurst.

Bürgermeister Adam Daume würdigte den Einsatz der Familie Tripp für den praktischen Naturschutz. Er überreichte für den Kreisausschuss des Landkreises die Ehrenamtscard an Wilfried und Marika Tripp. Damit verbunden sind hessenweit zahlreiche Vergünstigungen. In der Gemeinde Burgwald engagieren sich Feuerwehrleute derzeit für die Anerkennung und Ermäßigungen bei Kaufleuten. Die Gemeinde gewährt eine zehnprozentige Ermäßigung der Bürgerhausmiete. Der Ernsthäuser Ortsvorsteher Helmut Aubel freute sich über die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde Burgwald. Der Vorsitzende der Umweltgruppe überreichte einen Blumenstrauß an Marika Tripp.

Stichwort Coburger Fuchsschafe

Die Schafrasse mit dem typischen braunen Landschafkopf und leicht hängenden Ohren gehört zu den gefährdeten Hausstierrasen. Coburger Fuchsschafe besiedelten im 19. Jahrhundert weite Teile der europäischen Mittelgebirge. Die fuchsfarbigen Schafe waren unter vielen Namen bekannt: Goldfüchse, Eisfelder Fuchsschafe, Eifeler Schafe oder Welsh Mountain Sheep. Die Namen beziehen sich fast immer auf die örtlichen Zuchtgebiete. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren 60 Prozent des Schafbestandes in der Provinz Coburg fuchsköpfige, schlichtwollige Schafe.

Coburger Fuchsschafe auf der Weide

Schafschur: Im Frühjahr werden die Schafe geschoren, die wertvolle Wolle wird zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet.

Vor dem 2. Weltkrieg war infolge des zunehmenden Leistungswettbewerbs das Coburger Fuchsschaf dem Aussterben nahe. Eine Besonderheit des Coburger Fuchsschafes ist seine Wolle. Die Lämmer haben bei der Geburt ein rotbraunes Vlies, welches im Alter von 6 bis 12 Monaten heller wird. In dem beigen Vlies, dem „Goldenen Vlies“, befinden sich mehr oder weniger dunkle Fasern, das gibt der Fuchsschafwolle bei der Verarbeitung das interessante Farbenspiel. Fuchsschafwolle, die Feinheit liegt zwischen 33 und 36 Mikron, C - D-Sortiment, eignet sich bestens zum Handspinnen, Weben und Filzen. Neben der interessanten Wolle, besonders für den Hobbyverarbeiter, ist das Fleisch der Lämmer und der älteren Tiere bei Feinschmeckern sehr geschätzt und im Rahmen der Direktvermarktung sehr gut abzusetzen.

In den vergangenen Jahren haben viele Landwirte und Naturschutzverbände die Bedeutung der alten, robusten und genügsamen Landschafrassen für die Landschaftspflege erkannt, so dass die Anzahl der Tiere wieder zugenommen hat.

Fotos

© Frank Seumer

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