Im Henzeried begann ein Landschaftspflegeprojekt des Naturschutzbundes mit Wasserbüffeln

Rotweißes Flatterband entlang der Feldwege, Helfer an den Kreuzungspunkten, dann wurde es spannend: Acht schwere Wasserbüffel zogen jetzt ruhig zu ihrem ersten Einsatzort, dem Feuchtwiesengebiet „Henzeried“ nahe dem Sportplatz von Roda. Hier werden die Tiere in den kommenden Monaten bis Ende September erstmals auf Flächen der Stadt Rosenthal und des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ihren Dienst tun: als „Bio-Bagger“, wie Naturschützer scherzhaft sagen, den Auengrund der Wetschaft vor dem Verbuschen bewahren und beim Suhlen kleine Wassertümpel anlegen.

Vier Wasserbüffel grasen auf einer Feuchtwiese mit saftig-grünem Gras, im Hintergrund sind der Wald und blauer Himmel zu sehen.

Das Wetschaftstal bei Roda: Hier wird die Herde der schwarzen Wasserbüffel in schützenswerten Feuchtwiesen bis Ende September im Vertragsnaturschutz eingesetzt.

„Wir erproben mit diesem Projekt eine in der Form bei uns noch nie da gewesene Form der Landschaftspflege“, erklärte Klaus Klimaschka (Ernsthausen), Vorsitzender der NABU-Umweltgruppe Burgwald, der zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Landwirtfamilie Kahler (Roda) den Vertragsnaturschutz ausgearbeitet hat. „Bisher haben wir die Feuchtbrache hier in mühsamer Handarbeit gemäht und das Mahdgut abtransportiert. Das werden uns nun die Wasserbüffel abnehmen.“

Fabian Kahler lockt die Büffel mit Kraftfutter zur neuen Weide.

Auf dem Weg zu neuen Weidegründen: Willig folgten die friedlichen und genügsamen Tiere auf die neue Weide.

So hinderlich für die ehrenamtlichen NABU-Helfer die Wasserpfützen zwischen Simsen und Disteln waren – die von der Familie Kahler im vorigen Jahr erworbenen Wasserbüffel lieben solch sumpfigen Grund. Ihre Klauen spreizen sich, wenn sie ins Feuchte treten – flächenschonend.

„Sie haben keine Angst vor Wasser“, sagt Wolfgang Kahler. Wo sie sich die Tiere an heißen Sommertagen im Schlamm wälzen, entstehen neue Tümpel.

Im vegetationsarmen Trampelpfad zwischen flach getretenem Röhricht dorthin bilden sich Rinnsale und offen gehaltene, besonnte Kleingewässer.

Sebastian, Wolfgang und Fabian Kahler sowie Ann-Christin Boland stehen rund um einen der jungen Wasserbüffel, der so groß ist, dass sich sein Rücken auf Höhe der Brust der Erwachsenen befindet.

Austrieb in die Landschaftspflege: Ruhig und folgsam machten sich die schwarzen Wasserbüffel auf den Weg ins Henzeried, angetrieben von (von rechts) Sebastian, Wolfgang und Fabian Kahler sowie Ann-Christin Boland.

Neue Kleinstbiotope

„Wir sind sehr gespannt, wie sich in einer Art Mosaikstruktur auf der Fläche neue Kleinstbiotope entwickeln“, sagt der NABU-Vertreter Klimaschka. Das gelte für Amphibien wie die Gelbbauch-Unke ebenso wie im Vogelleben für die Wiederkehr von Kiebitz oder Bekassine. Naturschutz-Wissenschaftler haben den Wasserbüffeln deshalb statt des flapsigen Titels „Bio-Bagger“ längst das Prädikat „Habitationskonstrukteure“ verliehen.

Im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg (FBZ) hat der 25-jährige Forstwirt Sebastian Kahler als Ausbildungsassistent seine Begeisterung für Wasserbüffel und Landschaftspflege entdeckt – und mittlerweile die ganze Familie damit angesteckt (HNA berichtete). Auch seine Freundin Ann-Christin Boland half tatkräftig mit, die handzahmen Büffel zum neuen Einsatzort Henzeried zu treiben.

„Wir haben hier für uns eine Nische gefunden“, sagt Landwirt Wolfgang Kahler, während er den aus Italien stammenden Tieren zuschaut, die selbst stachlige Disteln und verholzte Weidentriebe fressen. Sein Vater hat hier, auf der früheren Rodaer „Bullenwiese“, noch mühsam mit der Hand gemäht und Heu gemacht.

Ann-Christin Boland, Fabian, Sebastian und Wolfgang Kahler mit Ehefrau sowie Klaus Klimaschka stehen auf einem Weg vor der mit Gras bewachsenen Feuchtwiese, im Hintergrund sind einzelne kleinere Weiden, Bäume und der Waldrand zu sehen.

Engagement für den Naturschutz: Ann-Christin Boland, Fabian, Sebastian und Wolfgang Kahler mit Ehefrau sowie Klaus Klimaschka.

Text und Fotos

© Karl-Hermann Völker

Quelle

Der Artikel erschien in ähnlicher Form zuerst am 15.07.2016 in der HNA/Frankenberger Allgemeinen