Im Henzeried ist neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere entstanden

Im Juli flog bei einer Sprengübung des Technischen Hilfswerks (THW) aus Marburg der weiche Tonboden in die Luft, wie wir in unserem Artikel über die Großübung des THW berichteten. Jetzt spiegeln sich bereits die Wolken in der großen Wasserfläche, die sich seitdem dort gebildet hat. Allmählich erobert sich die Natur im Henzeried bei Roda ihren Raum zurück, neue Lebensformen entstehen rund um den Tümpel, der die Feuchtwiese ökologisch aufwerten soll.

Klaus Klimaschka kniet vor dem mit Wasser gefüllten Tümpel inmitten der Feuchtwiesen des Henzeried, an dessen Rand frische Erde liegt.

Neuer Lebensraum|Innerhalb weniger Wochen ist dieser Tümpel im Wetschaftstal bei Roda entstanden. Klaus Klimaschka von der Umweltgruppe Burgwald beobachtet regelmäßig, wie sich neue Pflanzen und Tiere in diesem Biotop ansiedeln.

Die ersten grünen Riedgräser kriechen bereits wieder bis an den Uferrand, nur an der aufgewirbelten hellfarbenen Tonerde wächst noch nichts. „Der tonige Untergrund sorgt aber dafür, dass der Tümpel auch in trockenen Sommermonaten nicht austrocknet, sondern konstant bis an den Rand gefüllt bleibt“, stellte Klaus Klimaschka, Vorstandsmitglied der Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland (NABU), fest. Gemeinsam mit Willy Becker hat er das seit Jahren laufende NABU-Projekt Biotop-Verbundsystem Wetschaftsaue betreut, in dem zwischen Roda und Ernsthausen planmäßig Feuchtwiesen vom Naturschutzbund erworben und unter ökologischen Gesichtspunkten gepflegt worden sind.

Plattbauch-Männchen sitzt mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Ast, in den Ecken jedes der vier Flügel befindet sich außen oben ein schwarzer Fleck, der Hinterleib ist grau-blau.

Schillernd: Die Plattbauch-Libelle hat im Henzeried die offene Wasserfläche gefunden, die sie zum Leben braucht.

Die Mitglieder der Umweltgruppe Burgwald haben in den letzten Wochen beobachtet, wie sich dieses neu geschaffene Biotop entwickelt hat. So hat die Plattbauch-Segellibelle schon wenige Tage danach die offene Wasserfläche, in der sie bevorzugt ihre Eier ablegt, entdeckt. Häufig sitzen die hellblau gefärbten Männchen auf den Gräsern und bewachen ihr Revier, die Weibchen sind gelb. Die Plattbauchlibelle war, weil sie unverbaute Gewässer benötigt und ebenso wie die anderen 80 Libellenarten in Deutschland bedroht ist, „Insekt des Jahres 2001“.

Vierfleckkreuzspinne mit braunem Hinterleib und vier symmetrisch angeordneten größeren und vielen kleinen weißen Flecken sitzt in ihrem Netz.

Gefleckt: Im Gespinst zwischen den Distelstängeln an der Wetschaft wartet die Vierfleck-Kreuzspinne auf Beute.

Die Disteln, die sich in der brachliegenden Wiese des Henzeried angesiedelt haben, lockten auch die Vierfleck-Kreuzspinne an. Ihr Hinterleib mit den hellen Punkten wirkt sehr massig, ihr Netz ist auch nicht so elegant wie das der Garten-Kreuzspinne, aber sie ist über einen Signalfaden mit ihm verbunden, sodass sie jederzeit aus ihrem Versteck unter den Distelsamen zu ihrem Opfer eilen kann. Dort hängen jetzt auch schon die etwa haselnussgroßen Kokons, in dem ihre Eier überwintern werden.

Wespenspinne mit gelb-weiß-schwarz gestreiftem Hinterleib sitzt in ihrem Netz, für das Fäden typisch sind, die in Zick-Zack-Form gewebt sind.

Zickzackband: Es ist typisch für das Netz der gelbschwarzen Wespenspinne, die im Wetschaftstal eingezogen ist.

Dass sich auch die für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich bunte und große Wespenspinne auf den Feuchtwiesen an der Wetschaft angesiedelt hat und nun den Raum rund um den neuen Tümpel belebt, hat Klaus Klimaschka besonders gefreut, als er sie vor einigen Wochen entdeckte. Auffällig an ihren Netzen ist ein sehr kräftiges, zickzackförmiges Gespinstband, das „Stabiliment“, mit dem sie bei Gefahr das Netz in Schwingungen versetzen kann. Mit ihrem schönen, gelbschwarzen Streifenmuster auf silbrigweißem Untergrund hebt sie sich von allen anderen heimischen Spinnen ab.

Wenn die Wespenspinne bereits bis an den Rand des Burgwalds vorrücken konnte, so ist dies für die Naturschutz-Fachleute zugleich auch Indiz für eine langsame klimatische Veränderung: Noch vor 50 Jahren fand man die aus dem Mittelmeerraum stammende gelbschwarze Spinne nördlich der Alpen nur in einigen besonders klimatisch begünstigten Gebieten Süddeutschlands.

Fotos

© Karl-Hermann Völker, Reinhold Tripp und Rosenzweig/Wikimedia CommonsGFDL/CC BY-SA 3.0