Die NABU-Umweltgruppe Burgwald betreut mehr als 100 Nistmöglichkeiten

Einen gastfreundlichen Empfang bereitet die Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland (NABU) dem „Vogel des Jahres 2011“: Für den Gartenrotschwanz, der in diesen Tagen aus seinem Winterquartier in den Savannen Afrikas zurückkehrt, hat der Verein zehn spezielle Nisthöhlen aus Holzbeton angeschafft. Sie sollen dem farbenprächtigen Singvogel, dessen Bestand an Brutpaaren in Deutschland vor 30 Jahren noch drei- bis viermal so hoch war wie heute, die Existenz im Burgwalder Raum erleichtern.

„Der Gartenrotschwanz kommt im Frühjahr relativ spät aus dem Süden zurück und findet dann oft wenig Nistmöglichkeiten vor, weil andere Vögel sie schon besetzt haben“, hat Willy Becker (Ernsthausen), der als Vorsitzender der Burgwalder NABU-Gruppe gemeinsam mit Martin Scholz (Bottendorf) im Vogelschutz besonders aktiv ist, beobachtet. Früher hätten die noch weit verbreiteten Streuobstwiesen mit hochstämmigen Bäumen dem Gartenrotschwanz viele geeignete Brutplätze und auch die notwendigen Sitzwarten angeboten. Die Umweltgruppe Burgwald habe deshalb in den vergangenen Jahren auch ganz gezielt solche neuen Streuobstwiesen in den Burgwalder Ortsteilen angelegt, sagt Becker.

Martin Scholz hängt einen Nistkasten auf, eine so genannte Nisthöhle mit großem, ovalen Einflugloch.

Gartenrotschwanz in Wohnungsnot: Mit zehn Nisthöhlen dieser Art hilft Martin Scholz von der NABU-Umweltgruppe Burgwald dem Vogel des Jahres, eine Unterkunft zu finden. Obwohl er Höhlenbrüter ist, bevorzugt der Gartenrotschwanz eine etwas „hellere“ Wohnung, deshalb mit ovalem Einflugloch.

Auch in der Region Burgwald ist der Bestand an Gartenrotschwänzen in den letzten Jahren stark zurück gegangen. "Wir möchten deshalb auf die Gefährdung dieses farbenprächtigen Vogels und nützlichen Insektenfressers aufmerksam machen und zeigen, dass oftmals schon mit einfachen Mitteln neue Lebensräume wie Streuobstwiesen geschaffen werden können", sagt der pensionierte Forstbeamte Becker.

Schon während seiner Dienstzeit in der Revierförsterei Ernsthausen hat er die Vogelpopulation genau beobachtet und für entsprechende Nistmöglichkeiten gesorgt. NABU-Mitglied Martin Scholz betreut mittlerweile mehr als 100 Nistkästen in den Bereichen der Revierförstereien Ernsthausen und Roda, die alljährlich in den Wintermonaten bis zum Frühling kontrolliert, gereinigt und im Bedarfsfall auch repariert oder ersetzt werden müssen. Sie hängen auch in den von der Umweltgruppe Burgwald gepflegten Biotopen Seitenbruch und Moorsgrund. Außerdem hat die Umweltgruppe zwei Nistkästen für Hornissen angeschafft.

Vogelkundlich beobachtet und dokumentiert wird seit Jahren dabei auch, wie diese Nistangebote angenommen werden. „Von 100 Kästen waren im vergangenen Jahr 78 belegt mit Meisenbruten, gezählt wurden von mir außerdem 19 Kleiber-, eine Grauschnepper- und zwei Feldsperlingsfamilien“, berichtet Martin Scholz. Der 57-Jährige ist von Beruf Maschinenschlosser und arbeitet bereits seit vielen Jahren ehrenamtlich in Burgwald im Naturschutz mit.

Hintergrund: Gartenrotschwanz

Wiily Becker mit Plakat des Gartenrotschwanzes

Farbenfrohes Federkleid: Willy Becker von der
Umweltgruppe Burgwald wirbt mit Aufklebern und
Informationsmaterial für den Gartenrotschwanz.

Die roten Schwanzfedern sind wie für alle Rotschwänzchen auch für den Gartenrotschwanz ein typisches Kennzeichen - oft sieht man ihn auf einer Ansitzwarte auffällig mit seinem Schwanz zittern. Aber auch sonst fällt  zumindest das Vogelmännchen mit orangefarbener Brust, grauem Rücken und weißem Stirnband auf. Besonders früh am Morgen ist er vor allem durch seinen einprägsamen Gesang auszumachen, ein weich pfeifendes, etwas ansteigendes „hüit“ mit folgendem „tick, tick, tick“.

 

Fotos

© Karl-Hermann Völker