Brütender Storch auf dem Horst in Münchhausen

Ein Weißstorchpaar brütet auf einer Nisthilfe der Gemeinde Münchhausen

Burgwald/Münchhausen. Mit der Ansiedlung von Störchen in Ernsthausen wird es wohl in diesem Jahr nicht mehr klappen. Beide von Bernd Schlichterle auf ehemaligen Hochspannungsmasten angebrachten Nisträder blieben bisher leer. Dafür meldete sich aber aus dem Nachbarort Münchhausen HNA-Leser Willi Parr: Er hatte auf den Zeitungsfotos aus Ernsthausen „unsere Münchhäuser Störche“ wiedererkannt.

Und wirklich: Auf dem im vergangenen Jahr vom Bauhof der Gemeinde Münchhausen dort an den Wetschaftswiesen aufgestellten Mast mit Nisthilfe brütet offensichtlich seit wenigen Tagen ein Storchenpaar. Damit sind die Weißstörche, die bisher in Niederwetter ihren nächsten Brutort hatten, schon ganz dicht an die Gemeinde Burgwald herangerückt. „Ich konnte an einzelnen Tagen bei uns bis zu fünf Störche beobachtet, die auch schon das vorbereitete Nest angeflogen haben“, berichtet der Ernsthäuser Bernd Schlichterle. „Sie haben schon mal hineingeschnuppert und jetzt bin ich zuversichtlich: Nächstes Frühjahr sind sie plötzlich da!“

Im vergangenen Jahr hatten Mitarbeiter des Bauhofs in Münchhausen beobachtet, wie Störche vergeblich auf einem runden Silodeckel versuchten, Asthölzchen zu platzieren, die sich aber offensichtlich nicht befestigen ließen, erzählt Willi Parr, der auch ehrenamtlicher Erster Beigeordneter der Gemeinde Münchhausen ist. Da sei den Bauhof-Kollegen der Gedanke gekommen, einen noch herumliegenden, schon abgebauten Hochspannungsmast wieder im Wetschaftstal zu installieren.

Mit Hilfe der Münchhäuser Baufirma Naumann wurde der Mast unweit des Bauhofes und in Sichtweite vom Radwanderweg Marburg-Frankenberg in einer Wiese gesetzt, Herbert Funk baute den Holzlattenrost für die Nisthilfe und Wolfgang Dersch fertigte eine stabile Metallhalterung an. „Anfangs saßen auch gleich schon mal zwei Nilgänse auf unserem vorbereiteten Storchennest. Sie sind aber dann weiter gezogen“, beobachtete Willi Parr.

Einer der beiden Weißstörche, die jetzt das Nest besiedelt haben, ist beringt. Man hoffe auf die Hilfe von NABU-Ornithologen, um mit einem Spektiv seine Herkunft zu ermitteln, sagte Parr. Er hat mit der ältesten, 100 Jahre Einwohnerin des Ortes gesprochen, die sich nicht erinnern kann, dass in ihrer Lebenszeit jemals schon Störche in Münchhausen ihren Lebensraum gefunden hätten. „Wir freuen uns, wenn die Brut jetzt klappen würde. Nächstes Jahr könnten die Vögel dann auch Ernsthausen besiedeln, das Angebot kennen sie dann ja schon!“ lacht der Münchhäuser Naturfreund Parr.

Text und Fotos

© Karl-Hermann Völker