Im Wetschaftstal brachte Bernd Schlichtere Nisthilfen auf alten Strommasten an

Ernsthausen. Kehrt der Weißstorch nach Ernsthausen zurück? Wohnungen, Speisekarte, Wasser und Froschparadiese – alles ist vorhanden. Vor sechs Wochen bereits haben Bernd Schlichterle und sein Sohn Moritz auf zwei ehemaligen Strommasten im Wetschaftstal und am Dorfrand fachgerechte Nisthilfen für Störche angebracht, und plötzlich waren die ersten Interessenten da: Drei Weißstörche halten sich seit den Tagen vor Ostern in der Nähe des Mastes unterhalb der Ernsthäuser Siedlung auf.

Weißstorch schwebt über dem Nest

Landeanflug: Mehrfach wurde eine der von Bernd Schlichterle gebauten Storchenwohnungen schon von Interessenten inspiziert.

Als die Energiegesellschaft Frankenberg (EGF) begann, ihre überflüssig gewordenen Überlandleitungen im Wetschaftstal anzubauen, hatte Bernd Schlichterle die Idee, zwei solcher Stahlmasten doch als Nisthilfen für Vögel stehen zu lassen. Er bekam dies bereitwillig zugesagt und machte sich nun in seiner Firma Kahl und Schlichterle an die Arbeit, um eine naturschutzgerechte Nisthilfe nach Bauanleitung zu bauen.

„Ich weiß noch aus Ungarn, wie schwer solche Nester werden können“, meinte Vater Peter Schlichterle und plädierte für einen kräftigen Edelstahlflansch am unteren Teil der Brutplattform. Aus dünnem Obstbaumschnitt flochten Bernd und Moritz Schlichterle die korbartige Begrenzung des Nestbodens, bevor die Nisthilfen auf den Masten montiert wurden.

Die Mühe hat sich offenbar gelohnt: Mehrere Störche haben schon in den vergangenen Tagen Interesse gezeigt, halten sich regelmäßig in Sichtweite des einen Mastes auf, zwei haben das künstliche Nest auch schon besucht. „Es tut sich was!“ meint Bernd Schlichterle hoffnungsvoll.

Mit großem Interesse begleitet wird das Wieder-Ansiedlungsprojekt für Weißstörche von der Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland. „Die Bedingungen für Störche sind dank unseres Bitotopverbundsystems Wetschaftsaue seit 1996 immer besser geworden. Wiesen werden nur extensiv genutzt, Beweidungsprojekte und die zielstrebige Anlage von Kleingewässern haben die Amphibienpopulation hochschnellen lassen“, sagt Vorstandsmitglied Klaus Klimaschka. „Wir merken, dass die Störche näher rücken und neue Reviere suchen. In Niederwetter wird seit zwei Jahren erfolgreich gebrütet.“

Drei Weißstörche auf Nahrungssuche in einer Wiese

Nahrung gibt es genug: Diese drei Weißstörche weideten vor ein paar Tagen im Wetschaftstal unterhalb der auf einem ehemaligen Strommast aufgesetzten Nisthilfe.

Schon seit Jahren sorgt die Umweltgruppe Burgwald in Zusammenarbeit mit den Stromnetz-Firmen dafür, dass Masten mit Nistkästen für Turmfalken versehen werden. „Sie waren in den vergangenen Jahren ständig belegt“, berichtet sein Vorstandskollege und Förster Matthias Hupfeld. Erst kürzlich habe man einige dieser Nisthilfen für Turmfalken durch neue ersetzt. Auch Hupfeld beobachtet ständig mit interessierten NABU-Mitgliedern, wie die Weißstörche ins Wetschaftstal einziehen.

Fotos

© Karl-Hermann Völker