Portrait Willy Becker mit NABU-Kappe

In Ernsthausen verstarb der frühere Förster Willy Becker im 75. Lebensjahr

Die Nachricht vom Tod des langjährigen Ernsthäuser Revierförsters Willy Becker hat in der Burgwaldregion und darüber hinaus Trauer ausgelöst. Er starb kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahrs nach langer Krankheit, während der er dennoch mit großer Energie als Vorsitzender der NABU-Umweltgruppe Burgwald weiter ehrenamtlich für den Naturschutz tätig war.

Willy Becker wurde am 25. September 1937 in Langenhain bei Eschwege geboren. Er ging in Eschwege zum Gymnasium, begann seine Forstlehre im Forstamt Heringen und besuchte zwei Jahre die Forstschule in Schotten. Nach drei Jahren Vorbereitungsdienst in verschiedenen Forstämtern kam er 1960 zum damaligen Forstamt Wolkersdorf, wo er ein Jahr später die Revierförsterprüfung ablegte. Ab 1962 war Becker im Forstamt Korbach-Nord tätig, bis er 1972 die Revierförsterei Ernsthausen übernahm. Von 1973 bis 1993 engagierte er sich zusätzlich als Ausbilder für den gehobenen Forstdienst. Im Jahr 2002 wurde Forstamtsrat Willy Becker in den Ruhestand verabschiedet.

Im Forstamt Burgwald war er als engagierter Forstmann, Naturschützer und passionierter Jäger von den Kollegen hoch geschätzt. Als er 2004 vom Hessischen Ministerium für Umwelt mit der Ehrenplakette in Bronze für besondere Verdienste um den Naturschutz ausgezeichnet wurde, lobte Ministerialdirigent Carsten Wilke, wie sehr der Geehrte seiner Zeit weit voraus neben den ökonomischen auch die ökologischen Zusammenhänge im Wald erkannt habe. In „großer Ruhe und Bescheidenheit“, so der Laudator, habe Willy Becker sein Fachwissen auch an andere Naturinteressierte weiter gegeben.

Neben der waldbaulichen Arbeit in seinem Revier sorgte Förster Becker für eine Vielzahl von Biotopgestaltungsmaßnahmen in der Wald- und Feldgemarkung, für den Schutz von Höhlenbrütern in Althölzern, für Waldrand-Gestaltungsaktionen und die Pflege der Heideflächen. Es gelang dem Ernsthäuser Forstbeamten 1991, bei der Gründung der Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) seine eigene Begeisterung für den Naturschutz besonders auf jüngere Menschen zu übertragen.

Unter Beckers fachlicher Leitung wurden Teile des Landschaftsplans der Gemeinde Burgwald umgesetzt, neben anderen das „Biotopverbundsystem Oberes Wetschaftstal“ zwischen Ernsthausen und Roda angelegt, Feldgehölze und Streuobstwiesen geschaffen, Nistgelegenheiten für Schleiereule und Turmfalken eingerichtet, stillgelegte Trinkwasserhochbehälter zu Fledermausquartieren umgerüstet und Amphibienschutz betrieben.

Große Freude erfüllte Willy Becker und seine NABU-Gruppe, als 2009 erstmals nach 20 Jahren mit dem von ihnen betreuten Ernsthäuser Moor „Seitenbruch“ wieder ein flächenhaftes Naturdenkmal im Landkreis Waldeck-Frankenberg ausgewiesen werden konnte. Von seinem Altersruhesitz in der Ernsthäuser Siedlung genoss Willy Becker bis zuletzt gemeinsam mit seiner Frau Christa den weiten Blick auf den von ihm gehegten Burgwald und das Wetschaftstal.