Zum kostbarsten Gut der Menschen, die seit Generationen unsere Burgwald-Region bewohnt haben, gehören eine intakte Natur und eine reizvolle Mittelgebirgs-Kulturlandschaft. Insbesondere der Burgwald selbst, der als Biotopverbundsystem eine Vielzahl von wertvollen, vielgestaltigen Lebensräumen aufweist, rückte wegen seiner großen Bedeutung für Waldnutzung, Naherholung und Naturschutz stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Mit der durch die neu entstandene Großgemeinde Burgwald eingeleiteten Bauleit- und Landschaftsplanung wurde das „kostbare Gut“ Natur über die einzelnen Ortsteile hinaus in einen größeren räumlichen und gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt. So hieß es etwa im 1983 entwickelten Landschaftsplan der Gemeinde Burgwald: „Das Interesse und Bewusstsein der Bevölkerung vor Ort an ihrer Landschaft ist ... ein entscheidendes Kriterium für den Umgang und den Erhalt seltener und schöner Elemente.“

Nicht zuletzt deshalb fand im Jahr 1989 ein loser Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern aus Ernsthausen und den Nachbarortsteilen statt mit dem Ziel, den Umwelt- und Naturschutz in unserer Heimatgemeinde zu unterstützen und voran zu bringen. Die Gruppe, etwa 25 Personen im Alter zwischen 12 und 70 Jahren, schloss sich im April 1990 dem Deutschen Bund für Vogelschutz, später Naturschutzbund Deutschland (NABU), an. Die Gründungsversammlung der „Umweltgruppe Burgwald“ in der heutigen Struktur fand am 10.9.1991 statt, und zwei Monate später erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister. Grundlage der Arbeit ist die damals verabschiedete Satzung.

Mitglieder des NABU Burgwald sammeln Müll aus Gräben auf der Höhe in Ernsthausen

Die Umweltgruppe bei ihrem allerersten Einsatz beim Müllsammeln in Ernsthausen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten damals Willy Becker, Marion Chmelar, Thomas Figge, Dirk Greis, Claus-Dieter Gruschka, Sascha Heiner, Klaus Klimaschka, Michael Kuckuck, Andrea Mecke-Niemitz, Hermann Meyer, Mathias Moog, Willi Möller, Hubert Naumann, Ulf Ratajczyk, Jürgen Tripp, Reinhold Tripp, Karl-Hermann Völker und Oliver Wendt. Bei den ersten Vorstandwahlen wurden Claus-Dieter Gruschka (1. Vorsitzender), Klaus Klimaschka (2. Vorsitzender) und Hermann Meyer (Kassierer) gewählt. Seit dem 30.3.1993 sorgte folgender Vorstand für eine kontinuierliche Arbeit der Umweltgruppe: Willy Becker (1. Vorsitzender), Klaus Klimaschka (2. Vorsitzender), Hermann Meyer (1. Kassierer), Hans-Joachim Kluge (2. Kassierer), Steffen Hering (1. Schriftführer) und Thomas Figge (2. Schriftführer).

Die wesentlichsten Betätigungs- und Arbeitsfelder der Umweltgruppe Burgwald waren Naturschutz, Artenschutz, Biotop- und Landschaftspflege sowie Umweltschutz allgemein. Große Breite nimmt heute die Arbeit im Biotop-Verbund-System „Oberes Wetschafttal“ zwischen Ernsthausen und Roda ein. Ein umfangreiches Gutachten über diesen Landschaftsraum wurde erstellt und macht Aussagen über den Zustand und die weitere Entwicklung dieses Gebietes. Als Schwerpunkte seien genannt: „Seitenbruch“ mit dem Ernsthäuser Moor, „Nauwiesen“ und „Henzeried“. Hier steht die Pflege von Feuchtwiesen, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, an vorderer Stelle.

Zu den Pflegemaßnahmen gehörten im Einzelnen die Pflege von Feucht- und Nasswiesen durch eine jährliche Mahd, bachregulierende Maßnahmen, die Anlage von Staubecken und Amphibiengewässern sowie die Anpflanzung von Roterlen und Weiden. Weitere landschaftspflegerische Projekte waren die Anlage und Ergänzung von Streuobstflächen, die Bepflanzung von Bachläufen, die Rekultivierung ehemaliger Deponien, die Pflanzung von Feldholzinseln und Vogelschutzgehölzen sowie die Anlage und Pflege von Hecken. Im Zuge des Regionalwettbwerbs „Unser Dorf“ konnten in der Gemarkung von Wiesenfeld bis zum Bundessieg 1993 auch zahlreiche Grüngestaltungsaufgaben, die der Landschaftsplan der Gemeinde Burgwald vorsieht, von der Umweltgruppe Burgwald gemeinsam mit dem Ortsbeirat Wiesenfeld praktisch umgesetzt werden.

Fünf Helfer heben gemeinsam einen großen Nistkasten an, im Vordergrund hängt eine Kirchenglocke.

In mehreren Kirchen (wie hier in Wiesenfeld) wurden Nistkästen für Schleiereulen angebracht, bis heute sind sie gut belegt.

Die Mitglieder der Burgwalder NABU-Gruppe sahen in engem Zusammenhang mit der Pflege einer vielgestaltigen Landschaft mit „Trittsteinbiotopen“ auch den Artenschutz, vor allem den Vogelschutz. Sie hängten Nistgeräte in Wald, Feld und Dorf auf, schufen Nisthilfen für den Waldkauz, den Rauhfußkauz, die Schleiereule, den Turmfalken sowie für Höhlenbrüter wie Meisen. Im Jahr 2002 erhielt Ernsthausen ein schmuckvolles Schwalbenhaus. In den Ortsteilen Birkenbringhausen und Ernsthausen rüstete die Umweltgruppe stillgelegte Trinkwasser-Hochbehälter zu Winterquartieren für unsere einzigen fliegenden Säugetiere, die Fledermäuse, um. Erste Wintergäste (Langohr-Fledermaus) konnten schon festgestellt werden.

Helfer stehen in einer Reihe hinter der Plastikplane des Amphibienschutzzauns, arbeiten mit Spaten und bücken sich nach vorn

Die Errichtung von Amphibienzäunen gelingt am besten, wenn viele Hände mit anpacken.

Für die Wiesen- und Heideflächenpflege baute die NABU-Gruppe eine kleine Schafherde mit der vom Aussterben bedrohten Rasse „Coburger Fuchsschafe“ auf. Diese Herde von etwa zwölf Tieren wird überwiegend in den Gemarkungen Ernsthausen und Wiesenfeld eingesetzt. Im Amphibienschutz engagierten sich Mitglieder der Gruppe unter Mithilfe von Schulklassen der Frankenberger Burgwaldschule alljährlich im Frühjahr an der Kreisstraße 117 bei Wiesenfeld, wo ein ca. 400 Meter langer Amphibienzaun eingerichtet worden war. Die hier gefangenen Erdkröten (in einem Frühjahr bis zu 2000) wurden über die viel befahrene Straße zum Laichgewässer gebracht und so vor dem Überfahren bewahrt. Nachdem über Jahre hinweg die Amphibienpopulation in diesem Bereich erheblich angewachsen war, trat in letzter Zeit ein solcher Rückgang ein, dass die Anlage abgebaut wurde.

Im Ortsteil Wiesenfeld gründete sich eine NABU-Kindergruppe, die sehr aktiv ist und sich großer Beliebtheit erfreut. Zu ihren Aktivitäten gehören Arbeitseinsätze in Dorf und Feld, Altpapierrecycling, Exkursionen, Zeltlager und Seminare.

Einen Überblick über unsere Aktivitäten bieten die jährlich erscheinenden Jahresberichte.

Fotos

© Karl-Hermann Völker