Die Moore im Burgwald waren Ziele einer Radtour, zu der die Umweltgruppe Burgwald im Naturschutzbund Deutschland (NABU) eingeladen hatte. Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald und Steffen Hering, Leiter der Revierförsterei Münchhausen stellten die wertvollen Biotopflächen sachkundig vor, deren Schönheit und ökologische Bedeutung den meisten Menschen in der Region unbekannt sein dürfte.

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Im Diebskeller, im Hungertal und an den Franzosenwiesen wagten sich die Besucher auf sicheren Wegen in die immer mal wieder mit Schauermärchen in Verbindung gebrachten Gebiete. Auf die Besucher warteten dagegen interessante Einblicke in diesen weitgehend unbekannten Lebensraum. Moore sind wertvolle Biotope für Spezialisten unter den Tieren und Pflanzen, die nur hier leben können. So wachsen an wasserreichen Stellen beispielsweise der mittlere und der rundblättrige Sonnentau . Wegen des geringen Nahrungsangebotes im Boden versorgen sich die fleischfressenden Pflanzen zusätzlich mit Nährstoffen, indem sie kleinere Insekten fangen. Dazu verfügen sie über mit haarfeinen, rötlichen Tentakeln besetzte Fangblätter, auf denen ihre Beutetiere kleben bleiben. Vor Ort wachsen auch die unscheinbare Moosbeere und das schmalblättrige Wollgras, allesamt Arten auf der Liste der gefährdeten Pflanzen in Hessen.

Die Moore im Burgwald sind keine Hochmoore wie das Rote und das schwarze Moor in der Rhön. Diese entstehen aufgrund der hohen Niederschläge in den Bergen, an denen sich die Wolken abregnen. Der Burgwald befindet sich dagegen im Regenschatten des Rothaargebirges, hier bilden sich die Moore ausschließlich rund um die vielen Sickerquellen wo Grundwasser an die Oberfläche tritt, in Form von Quell-, Hang- und Durchströmungsmooren.

Wenn Moore intakt sind, wächst das Torfmoos auf den abgestorbenen Pflanzenresten weiter millimeterweise nach oben bis der Moorkörper 10 Meter und mehr misst. Heutzutage jedoch gehen die Moorflächen stetig zurück. Seit Generationen wurden und werden Moore entwässert, abgebaut, die Reste landwirtschaftlich genutzt und besiedelt. Im Gegensatz dazu zeichnen sich die Burgwaldmoore dadurch aus, dass sie weiter wachsen. Mit einer weiteren Besonderheit warten die Franzosenwiesen auf: Aufgrund der besonderen geografischen Bedingungen funktioniert das in einer Talsenke gelegene Gebiet wie ein Kühlschrank. Das führt dazu, dass auch in den Sommermonaten die Temperaturen unter Null Grad absinken, im Extremfall sogar in den zweistelligen Bereich. Unter diesen extremen Lebensbedingungen halten es nur wenige angepasste Tiere und Pflanzen aus.

Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden die Burgwaldmoore wie andernorts auch systematisch entwässert und aufgeforstet. Entwässerungsgräben durchzogen die Gebiete, nicht standortgerechte Nadelbäume verdunsteten das restliche Wasser. Entgegen diesem Trend arbeiten die hiesigen Forstämter nun schon seit etlichen Jahren daran, dass sich die Moore regenerieren können. Das Ergebnis der Eingriffe macht bisweilen den Eindruck, dass zerstörerische Kräfte am Werk waren. Doch schon nach kurzer Zeit holt sich die Natur alles zurück und wertvolle neue Gebiete entstehen. Diese Bemühungen zeigen sichtbare Erfolge, wovon sich die Exkursionsgäste abschließend im Hungertal überzeugen konnten.

Eine Einkehr im Gasthaus auf demm Christenberg bildete den Abschluss dieser spannendenn Veranstaltung.

Geschichte der Burgwaldmoore

Die älteren Moore im Burgwald sind mehrere Tausend Jahre alt, die jüngeren sind im Mittelalter entstanden. Es gab immer wieder Versuche, die Franzosenwiesen trocken zu legen, um sie als Wiesen landwirtschaftlich zu nutzen. Der Landesherr ließ eine Scheune errichten, die von den Bauern erst gefüllt werden musste, ehe sie den Überschuss des Grases für sich selbst nutzen durften. Später bewirtschafteten aus Frankreich geflohene Hugenotten aus Schwabendorf und Todenhausen die bis dahin so genannten „Brücher“. In den nach dem Dreißigjährigen Krieg entvölkerten Landesteilen waren sie gerne gesehen: Sie brachten neues Handwerk mit und mit ihren Abgaben füllten sie die Schatullen der Obrigkeit. In der Folge bürgerte sich die Bezeichnung „Franzosenwiesen“ ein.

Ökologische Bedeutung

Sämtliche Moore in Deutschland bedecken 4 Prozent der Landesfläche. Sie binden dabei genauso viel klimaschädliches CO2 wie die deutschen Wälder, die 30 Prozent der Fläche ausmachen, und das um ein Vielfaches kostengünstiger als technische Maßnahmen der CO2-Vermeidung wie etwa der Ausbau der Windenergie. Sie gehören hierzulande mit zu den artenreichsten Lebensräumen.

Das können Sie tun

Wie der Regenwald verschwindet hierzulande wertvolles Moor durch menschliche Eingriffe. Der Torf wird vielfach in Gärten und auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Verwenden Sie torffreie Blumenerde. Nutzen Sie die zum Beispiel im Kompostwerk Geismaar erhältliche Erde (Blumenerde, Saaterde und andere), die aus heimischem organischem Material hergestellt wird. Nutzen Sie die Möglichkeit, einen eigenen Kompost anzulegen. Rindenhumus (nicht Rindenmulch!) verbessert die Qualität des Bodens. Weitere Infos finden Sie bei den unten genannten Links.

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