THW Marburg veranstaltete bei Roda Großübung für Naturschutzzwecke

Zweimal ertönt gegen 11:53 Uhr der schrille Warnton. Dann durchbricht ein dumpfer Explosionsknall die Stille des Wetschaftstals bei Roda. Eine Riesenfontäne tiefschwarzer Erde steigt auf, Brocken wirbeln durch die Luft. Kurz darauf ist alles vorbei. Fachleute des Technischen Hilfswerks (THW) prüfen das entstandene Sprengloch, dann geben sie das Signal für den lang gezogenen Entwarnungston.

THW-Mitarbeiter in Arbeitskleidung und phosporeszierenden Helmen bereiten die in die Erde eingegrabenen Röhren für den Sprengstoff.

Hochdruck: Die THW-Helfer aus Marburg spülten noch einmal mit Hochdruck die 21 Bohrlöcher, bevor sie mit Sprengstoff befüllt werden konnten. Sie markierten die ovale Fläche, in der später ein Tümpel entstehen soll

Und schon Minuten später erobert sich die Natur ihren neu entstandenen Lebensraum zurück: Aus kleinen Quellen sprudelt das Wasser sichtbar nach oben, die erste Pfütze ist zu sehen, wo in den nächsten Stunden und Tagen ein neuer Tümpel entstehen wird, Laichgewässer für Amphibien, die allmählich wieder in die früher vom Menschen durch Drainagen trocken gelegten Wiesen zurückkehren.

Schon seit Wochen hatten Naturschutz- und Forstbehörden, NABU-Umweltgruppe Burgwald und Technisches Hilfswerk Marburg diesen Landschaftseingriff sorgfältig vorbereitet. Er ist Teil des seit Jahren laufenden Projekts Biotop-Verbundsystems Wetschaftaue, in dem zwischen Roda und Ernsthausen planmäßig Feuchtwiesen vom NABU erworben und unter ökologischen Gesichtspunkten gepflegt worden sind. Die Wiese neben dem Rodaer Sportplatz galt in der Planung als weiter aufwertbar, nachdem der Bachlauf selbst in den letzten Jahren bereits renaturiert und verlangsamt worden war.

Eine Fontäne aus Erde spritzt bei der Sprengung nach oben in die Luft.

Schlammfontäne: Hoch flog der morastige Boden, als die Sprengladungen ein ovales Loch in die Wiese nahe beim Rodaer Sportplatz rissen.

Als der THW-Ortsverband Marburg, in dem derzeit 80 ehrenamtliche Helfer mitarbeiten, nach einer Übungsmöglichkeit für einen Sprengeinsatz suchte, nahmen die Naturschutzleute das Angebot an. Bereits vor vier Jahren hatte man im Wetschaftstal gute Erfahrungen gemacht, eine Wasserfläche zu gewinnen, ohne mit schweren Baggern den Boden zu verdichten und Erdwälle aufzuschütten. Bei einer systematisch angelegten Sprengung wird die Erde durch den Explosionsdruck ausgehoben und relativ gleichmäßig in der Wiese verteilt.

Mit einem Großaufgebot an Helfern und Fahrzeugen rückte das Marburger THW am Wochenende in Roda an. Die bereits zuvor gebohrten und mit Rohren versehenen 21 Sprenglöcher mussten noch einmal mit Wasser gespült werden. „Wir setzen insgesamt 90 Kilogramm gelatinösen Sprengstoff ein“, erklärte Christian Sohn (Stadtallendorf), der als sprengstoffberechtigter THW-Fachmann die Aktion leitete. Größte Vorsorge galt dabei der Sicherheit: Weiträumig wurden Wald- und Feldgemarkung abgesperrt, die Glasscheiben des Sportlerheims am Rodaer Sportplatz wurden durch Folien vor der Druckwelle geschützt, Rettungssanitäter der Johanniter-Unfallhilfe gehörten mit zum Übungsplan.

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks betrachten den von ihnen gesprengten Teich.

Kraterlandschaft: Schon als die THW-Helfer wenige Minuten nach der Sprengung das Ergebnis kontrollierten, begann das Loch mit Wasser vollzulaufen.

Um kurz nach zwölf Uhr zeigten sich THW-Techniker mit ihren gelben Helmen und Naturschutzfachleute am Rand des Sprengkraters mit dem Ergebnis und dem reibungslosen Verlauf der Übung hoch zufrieden. Während die letzten Reste an Zündkabeln und zerborstene Plastik-Rohrstücke weggeräumt wurden, rollte am Rand des Sportplatzes die heiße Erbsensuppe aus der THW-Küche an.

Fazit

Bei dieser Aktion im Henzeried bei Roda gab es ein gelungenes Zusammenspiel von Natur und Technik. Ehrenamtliche Helfer und Spezialisten des Technischen Hilfswerkes, das als humanitäre Hilfsorganisation des Bundes eigentlich auf Einsätze in Notlagen und Katastrophen spezialisiert ist, stellten ihr technisches Fachwissen für den Naturschutz zur Verfügung. Wann hat man schon Gelegenheit, mit einer technischen Übung so nachhaltige Erfolge zu erzielen?

In den nächsten Jahren wird der in der Wiese entstandene Tümpel zur Vielgestaltigkeit des Landschaftsraumes zwischen Roda und Ernsthausen beitragen. Das Tal ist in den vergangenen Jahren bereits in vielen kleinen Schritten als Biotop-Verbundsystem Wetschaftaue von der NABU-Umweltgruppe Burgwald renaturiert und ökologisch aufgewertet worden.

Klaus Klimaschka und Willy Becker schauen sich einen Plan an.

Aufwertung: Mit dem neu entstehenden Feuchtbiotop, so waren sich die Burgwalder NABU-Vorsitzenden Willy Becker und Klaus Klimaschka beim Zuschauen einig, wird die Vielgestaltigkeit der Bachaue erhöht.

Die NABU-Vertreter waren für die ehrenamtliche THW-Hilfe sehr dankbar. Lediglich die neunzig Kilogramm Sprenggelatine müssen sie aus ihrer eigenen Kasse bezahlen.

Auf mehreren Bildern ist die Sprengung zu sehen: Erst fliegt die Erde in die Luft, dann wieder herunter, der Staub verzieht sich.

Hier zeigen wir die Sprengung in animierten Bildern.

Fotos

© Karl-Hermann Völker